Wärmeplan
Foto: © Stadtwerke Rostock
Klimaneutrale Wärme macht Wärme bezahlbar, schafft Wohlstand und sichert unsere Zukunft
Die Dekarbonisierung im Fernwärmenetz ist der größte Hebel zu Umsetzung der Klimaneutralität, den die Hanse- und Universitätsstadt Rostock in der eigenen Hand hält.
Ca. 50% des Wärmebedarfs in Rostock werden über Fernwärme der Stadtwerke Rostock gedeckt – Tendenz steigend. Die andere Hälfte basiert zurzeit noch auf Erdgasversorgung. Ziel ist es, zukünftig 80 % des Wärmebedarfs mit Fernwärme zu versorgen. Die anderen 20 % des Wärmebedarfs liegen vorwiegend in Einfamilienhausgebieten. Diese versorgen sich zukünftig überwiegend durch individuelle Wärmepumpen oder andere klimaneutrale Wärmetechnologien (Dezentrale Versorgungsgebiete lt. Wärmeplanungsgesetz).
Die klimaneutrale Wärmeversorgung basiert in Rostock zukünftig zum großen Teil auf lokaler und regionaler unvermeidbarer industrieller Abwärme sowie auf strombasierten Technologien zur Wärmeerzeugung.
Mit der Wärmewende wird Rostock nicht nur klimaneutral, sondern auch unabhängig von den Weltmarktpreisen der fossilen Energieträger Gas und Kohle. Die Wärmepreise werden damit stabiler planbar, sozialverträglich gestaltbar und perspektivisch auch günstiger als jede fossile Variante. Lokale Wärmeenergie stärkt zudem die lokale und regionale Wertschöpfung und trägt zu Arbeitsplätzen und Wohlstand in Stadt und Umland bei.
Fakten im Überblick
| Typ | Technische Infrastruktur - Fernwärme |
| Nutzung | Wärmeerzeugung / Wärmespeicherung |
| Größe | 421 km Fernwärmenetz (Primär+Sekundär) |
| Leistung | 536 MW Gesamtwärmeleistung |
| Wärmebedarf Rostock | 1800 GWh/a |
| Anteil Erneuerbare Energie | ca. 10-11 % |
| Saisonalwärmespeicher | Volumen 500.000 m3 (geplant) |
| Wärmespeicherkapazität | 33 GWh / pro Speicher (geplant) |
| Speicherleistung | 50 MW (geplant) |
Ziele
- Klimaneutrale Wärme
- Sozialverträglicher Wärmepreis
- Abwärmepotenziale nutzen
- Überschusswärme speichern
- Wärmeerzeugung auf Strombasis
- Ausbau des Fernwärmenetzes
- Resilienz der Wärmeversorgung
- Lokale Wertschöpfung
Der Wärmeplan für Rostock
Der Rostocker Wärmeplan entstand aus der Erkenntnis im Forschungsprojekt „Masterplan 100 % Klimaschutz“, dass die Wärmeproduktion der Stadtwerke Rostock der größte Hebel der Hanse- und Universitätsstadt Rostock auf dem Weg zur kommunalen Klimaneutralität ist. Von 2020 – 2022 wurde der Wärmeplan in Eigeninitiative der Kommune mit Bundesfördermitteln erarbeitet und im Juni 2022 von der Rostocker Bürgerschaft einstimmig, mit einer Enthaltung, beschlossen. Damit war Rostock die erste deutsche Großstadt mit einem Wärmeplan, noch vor dem Wärmeplanungsgesetz des Bundes.
Erheblichen Anteil an der hohen Akzeptanz des Wärmeplans im politischen Raum war die Etablierung eines Wärmerats in der Erarbeitungsphase, der wichtige Stakeholder der Wärmewende in die Erarbeitung einbezog, sowie die kontinuierliche und breit angelegte Kommunikation in die Zivilgesellschaft.
Entwicklungsszenarien zur klimaneutralen Wärme
Auf Basis der Analysen der Wärmebedarfe und Wärmepotenziale und einem eigens für den Wärmeplan programmierten energetischen Zwillings als dynamisches Simulationsmodell, wurde eine Vielzahl von Versorgungsszenarien der Fernwärme durchgespielt und geprüft.
Im Ergebnis wurden drei grundsätzliche Entwicklungsszenarien herausgearbeitet, die eine klimaneutrale Wärmeversorgung mit hoher Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit erwarten lassen.
Das favorisierte Szenario zeichnet sich durch seine Kosteneffizienz und Resilienz aus. Es kombiniert das große und vielfältige Potenzial an unvermeidbarer Abwärme aus industriellen Prozessen im Stadtgebiet und dem Umland, mit strombasierten Erzeugungstechnologien aus Überschussstrom oder Umweltwärme.
Die Umsetzung des Wärmeplans / No-Regret-Maßnahmen
Alle drei Entwicklungsszenarien des Wärmeplans haben einen gemeinsamen Kern von Wärmepotenzialen die als No-Regret-Maßnahmen identifiziert wurden. Erste No-Regret-Projekte befinden sich seit 2022 in Kooperation zwischen den Stadtwerken Rostock und der Hanse- und Universitätsstadt Rostock in der Umsetzung.
Die im Wärmeplan ermittelten No-Regret-Maßnahmen umfassen Projekte zur Nutzung von vorhandenen und zukünftigen Abwärmepotenzialen sowie von Umweltwärme und Wärmespeichern.
Inzwischen sind zwei No-Regret-Maßnahmen realisiert und in Betrieb. Ein Hochwärmespeicher mit 45.000 m3 Volumen dient seit Ende 2022 als kurzfristiger Pufferspeicher, in Kombination mit einer 2023 in Betrieb genommenen Power-to-Heat Anlage. Diese Kombination dient der Sektorkopplung von Wärme und Strom, um zeitweilige Überschüsse im Stromnetz, durch die erneuerbare Energieproduktion mit Wind und Solar, in Wärme umzuwandeln und damit das übervolle Stromnetz zu entlasten.
Weitere No-Regret-Maßnahmen sind in Vorbereitung, bzw. Planung. Dazu gehören u.a. eine Großwärmepumpe am Klärwerk zur Nutzung der Wärme des Klarwassers, die Integration des Abwärmepotenzials der Müllverbrennungsanlage im Rostocker Seehafen und die Planungen für den Bau eines großen Saisonalwärmespeichers.
Das „TREASURE“-Projekt – Großer Saisonaler Wärmespeicher
Rostock ist durch die No-Regret-Maßnahme „Großer Saisonaler Wärmespeicher“ aus dem Wärmeplan Rostock in das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „TREASURE“ der Europäischen Union aufgenommen worden.
In diesem Projekt wird Rostock gemeinsam mit 6 anderen Speicherprojekten in Europa bei der Vorbereitung und Planung eines Wärmespeichers begleitet, beraten und finanziell gefördert. Vorreiter der Wärmespeicherung weltweit ist Dänemark, von dessen Knowhow die Projekte profitieren. Die EU organisiert im Rahmen des EU-HORIZON Programms den Wissenstransfer und die Weiterentwicklung dieser Speichertechnologie in Europa.
Zurzeit wird für Rostock eine Machbarkeitsstudie für den Wärmespeicher vorbereitet. Sollte die Studie positive Ergebnisse bringen, könnte in Rostock der größte Erdbecken-Wärmespeicher in Europa entstehen.
Kommunikation + Controlling
Die Transformation der Wärmeerzeugung von fossilen Energieträgern zu erneuerbaren klimaneutralen Energien, ist keine rein technische Aufgabe und Herausforderung.
Die komplexen Zusammenhänge, Abhängigkeiten, Verpflichtungen und Ziele im Wärmesektor erfordern die Abstimmung und Akzeptanz vieler Akteure in der Stadt. Vom Energieversorger über die Wärmekunden, die Wohnungswirtschaft und den Mieterbund, bis zu den zuständigen Fachbehörden, Industriebetrieben, dem Heizungshandwerk und den Interessensverbänden bestehen Rahmenbedingungen, Gesetze und Betroffenheiten, die berücksichtigt und in die Lösungen integriert werden müssen, wenn Veränderungen funktionieren und akzeptiert werden sollen.
Um den dafür erforderlichen Kommunikationsprozess dauerhaft strukturell zu etablieren, gründet Rostock aktuell einen erweiterten Wärmerat. Dieser wird die Wärmewende und die Berichtlegungen der Stadtverwaltung zur Umsetzung des Wärmeplans an die Rostocker Bürgerschaft fachkundig begleiten.
Konsequente Kommunikationsstrukturen und kontinuierliche Beteiligung sind wichtige Grundlagen in der Kommune für die erforderliche Planungssicherheit in der Wärmewende.







